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Lufthansa hebt ab. Foto: LH

Lufthansa hebt ab. Foto: LH

Die Lufthansa wird in Zukunft EUR 16 pro Flug zusätzlich von den Reisebüros verlangen, damit diese in den neutralen Reisebürosystemen der Lufthansa buchen dürfen. Ergo: Die Reisebüros reichen diese Gebühr weiter. Das ist ungefähr so, als ob Sie morgens zur Arbeit kommen und Ihrem Chef erst einmal Geld geben, damit Sie dann seinen PC anwerfen dürfen und den Tag über für ihn arbeiten dürfen.
Um es zu erklären: Es gibt die Reservierungssysteme Amadeus, Sabre, Gallileo, usw. Dafür zahlen einerseits die Airlines pro abgefragtes und gebuchtes Flugsegment einen Obolus an das Reservierungssystem und das Reisebüro zahlt eine Zugangspauschale um es nutzen zu dürfen. Also ein Geben und Nehmen seit Jahrzehnten. Alle waren zufrieden. Alles in einem System. Dadurch ist es den Reisebüros möglich, auch vergleichende Preisabfragen schnell und effektiv zu tätigen. Kostet ein Flug beim Kranich nach Paris eben 200 Euro, so ließ sich mit einer einfachen und schnellen Eingabe ein Vergleichsmodell aufstellen. Air France eben 160 EUR, SAS via Kopenhagen gar nur 120,00 EUR usw. Dies einmal zum Verständnis wie eine Flugbuchung nebst Preisvergleich in einem Reservierungssystem unter vier Minuten Beratungszeit derzeit funktioniert. Und der Service bei Streiks war im Nachhinein immer kostenlos. Keine 0180iger Rufnummer oder lange Warteschleife. Die Reisefuzzis im Reisebüro haben ja ihre Systeme. Die Reisebüro-Mitarbeiter haben mit Enthusiasmus gekämpft. Für den Kunden und für den Kranich.  Immerhin, ist der LH Vorstand sich nicht so einig mit der Kabine oder den Piloten. Sie alle tragen Verantwortung.
Nun sagt unsere alltäglich geliebte Lufthansa: “ Was Reisebüromitarbeiter in ca. 15.000 Reisebüros im Ländle können, können wir auch. Und wer unseren Weg nicht mag soll 16,00 EUR obendrauf zahlen.“ Also: Die Lufthansa verlangt für eine qualifizierte Routenplanung, die sie nicht leistet 16,00 EUR Gebühren. Eine Anmerkung von mir: „Reiseverkehrskaufmann ist ein verkammerter Beruf. Also: Drei Jahre Ausbildung und viel lernen“. Mitarbeiter in einem call center der LH wird man schnell. 14 Tage Einarbeitungszeit und schon sind die drei Jahre Ausbildung des Reisebüromitarbeiters aufgeholt. Diverse Stellenanzeigen bei Monster zeigen diese losen Gedanken auf. Und der geneigte Leser dieser Seite glaubt gar nicht wie viel Schrott da Seitens eines Call Centers erzählt wird.

Fassen wir zusammen: Wer in Zukunft seinen LH Flug in einem Reisebüro bucht zahlt 16,00 Euro mehr. Weil LH es so will und sich tariftechnisch auf ein Niveau von Ryanair und Kollegen begeben möchte und muss. Und weil LH die Fluglogistik der Auslastung anpasst, wird der Fluggast und Miles&More Kunde schnell zu einem SLC. Einem „Self Loading Cargo“.  Aber warum nicht. Immerhin checken wir schon selber ein, kleben die Bandarolen selber um den Koffer und wuchten diesen auf das Transportband. Wir glauben jedoch immernoch an Service. Weit gefehlt. Wir sind damit schon länger ein Teil der App Lufthansa.

Doch weiter geht es. Die zukünftige Webseite der LH ist für alle offen. Hört Hört!  Und wir kennen es doch von vielen Onlineanbietern. Wir suchen, sagen wir einmal einen Bluetooth Lautsprecher im Netz. Einige Tage später suchen wir ein Hotel in Kroatien und wir erhalten Werbeanzeigen zu eben diesen Lautsprecher. Hirnrissig. Und genauso geht es dann. Sie fliegen jeden Dienstag von Frankfurt nach London? Dann werden ihre Flüge am Dienstag teurer sein als am Mittwoch. Die Angebote werden für sie angepasst. Dieser Prozess ist unter dem Fachbegriff „Dynamic Pricing“ bekannt. Flugpreise ändern sich für den Kunden mehrmals am Tag, die Transparenz und objektive Entscheidungsgrundlagen verschwinden. Während die Reisebüros im Sinne des Verbraucherschutzes, als Anwalt des Kunden, agieren, möchte Lufthansa die Buchung auf der eigenen Website. Der Vorteil einer Buchung im Reisebüro ist, dass man hier mit professionellen Systemen nicht nur die Preise vergleichen kann, sondern auch im Interesse der Kunden eine objektive Buchungsorientierung geben. Und das innerhalb von maximal vier Minuten.

Gut. Sie haben den Lautsprecher nicht gekauft. Stattdessen einen Flug nach New York. Und er war billiger als im Reisebüro. Mindestens 16 EUR. Super-Deal. Wer informiert Sie bei Unregelmäßigkeiten? Wer veranlasst eine Umbuchung bei Streiks damit Ihr Ticket gültig bleibt? Wer bestellt das kostenfreie vegetarische Essen? Keiner. Denn Sie sind ein SLC. Ein Self Loading Cargo.

So wird es kommen.

Silvio Rebmann
Geschäftsfüher der cube travel GmbH

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New York

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